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Schon bevor sie überhaupt ihren Abschluss gemacht hat, ist Aizawa Shoutas Klasse A das größte Gesprächsthema der Heldenwelt.
Die Schüler haben gegen mehr hochkarätige Schurken gekämpft als die meisten professionellen Helden in ihrem gesamten Leben. Sie haben Shigaraki und der Liga der Schurken standgehalten und sind All for One entkommen; sie sind der Yakuza und Menschenhändlerkartellen gegenübergestanden. Serienmördern. Laborexperimenten an Kindern. Laborexperimenten an Zivilisten. Entführungen ihrer Klassenkameraden. Der Meta Liberation Society. Dem verdammten Paten des Bösen persönlich.
Und das alles gehörte nur zu ihrem ersten Schuljahr.
Seitdem ist die Heldengesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert worden. Der Wandel wurde von den Schülern der Klasse A eingeleitet, die entschlossen waren, keinen der Ihren zu verlieren; sie haben sich allen Schwierigkeiten, zahllosen Kämpfen und hoffnungslosen Situationen gestellt und sie sind siegreich daraus hervorgegangen.
Sie werden als die goldene Generation des Heldentums gehandelt. Der neue Weg nach vorne. Wie vor ihnen All Might und Endeavor werden sie von der Öffentlichkeit geliebt. Die Medien verfolgen sie, wann immer sie den schützenden Campus der UA verlassen. Die Gerüchteküche brodelt wild vor sich hin, wenn es um sie geht.
Die öffentliche Aufmerksamkeit ruht stärker auf ihnen als auf jeder Klasse zuvor. Schon jetzt haben sie sich Plätze in den offiziellen Rankings erkämpft – hohe Plätze.
Die Schüler der 3A werden hinaus in die Heldenwelt treten und mehr Druck zu bewältigen haben als jeder andere Absolvent vor ihnen.
Das ist in Ordnung für sie - sie sind ja an hohe Einsätze gewöhnt. Sie sind unverwüstlich. Sie sind mit einer schlichtweg abnormalen Geschwindigkeit erwachsen geworden und sie sind bereit.
Von den Schülern der Klasse 3A wird erwartet, dass sie sich in die Welt hinauswagen und weiterhin Wellen schlagen. Dass sie Heldenagenturen überall in Japan beitreten, vielleicht sogar auf der ganzen Welt.
In den Augen der Öffentlichkeit, der Medien, der Welt, sind die Helden der Klasse 3A Legenden.
Sie sind 18 Jahre alt.
Die Schüler der Klasse 3A sind traumatisiert, erschöpft und mehr als nur ein bisschen aufeinander angewiesen. Sie leben seit drei Jahren zusammen, in denen sie alle Erfahrungen durchgemacht haben, mit denen keine andere Klasse zuvor je umgehen musste. Manchmal war die Tatsache, dass die anderen das Gleiche durchgemacht hatten und dass aufzugeben bedeuten würde, die anderen unter noch stärkeren Druck zu setzen, das Einzige, was sie zusammenhielt.
Dass alle 21 Mitglieder noch am Leben sind, ist nichts weniger als ein Wunder, und das wissen sie selbst besser als alle anderen.
Die Schüler der 3A können nicht schlafen, wenn sie am Wochenende nach Hause gehen. Wenn sie nicht mehr in den Schlafsälen sind.
Die Schüler der 3A fürchten sich vor dem, was passieren wird, sobald sie die Sicherheit des Campus der UA verlassen müssen und keine Garantie mehr haben, dass sie von Menschen umgeben sind, falls sie in ihrem Zuhause angegriffen werden – jetzt, da sie sich aus den Sicherheitsmaßnahmen der UA herauswagen müssen. Das ist schon der Fall gewesen, in den Sommerferien zwischen dem zweiten und dem dritten Schuljahr, und die Wunden sind noch frisch.
Die Schüler der 3A haben von all ihren Arbeitserfahrungen, Missionen und Familienmitgliedern mehr Kontakte in der Heldenindustrie als die meisten hochrangigen erwachsenen Superhelden.
Insbesondere Izuku und Katsuki steuern bereits auf die beiden obersten Plätze in den Rankings zu. Todoroki, Uraraka, Iida und Yaoyorozu sind ihnen dicht auf den Fersen.
Mehr als irgendjemand sonst weigert sich ihre Klasse, den gesellschaftlichen Erwartungen nachzugeben, und sie weigern sich, sich zu trennen.
Endeavor wurde im Alter von 20 Jahren der Held Nr. 2. Hawks eröffnete im gleichen Alter seine eigene Agentur.
Die Schüler der Klasse 3A sagen im Hinblick darauf nur: „Plus Ultra.“
~*~
Es beginnt wie folgt.
„Kacchan“, sagt Izuku, „machen wie unsere eigene Agentur auf.“
„Deku“, sagt Katsuki in einem Tonfall strapazierter Geduld, der vermuten lässt, dass sie diese Unterhaltung schon einmal geführt haben, „Die Vorschriften besagen, dass wir mindestens zwei Jahre praktische Erfahrung im Feld brauchen, bevor wir eine eigene Agentur eröffnen können.“
Sie wechseln gleichermaßen unbeeindruckte Blicke. Der Schurke, gegen den sie kämpfen, setzt zu einer Bemerkung an, indigniert darüber ignoriert zu werden. Deku nutzt den Sekundenbruchteil in dem der Schurke abgelenkt ist dazu, ihn bewusstlos zu schlagen und mit Handschellen zu fesseln, bevor er ihn an die Polizei weiterreicht.
Katsuki brütet währenddessen über ihrem Problem. Bevor sie ihren Abschluss machen, können sie ihre Heldenzulassungen nicht erhalten, weshalb sie bis jetzt ihre provisorischen Zulassungen benutzen. Was wiederum bedeutet, dass sie technisch gesehen nur als aktive Praktikanten auf Feldeinsätzen dabei sind, nicht einmal als Sidekicks. Obwohl sie einen beträchtlichen Teil der Zeit bereits Missionen geleitet haben.
In anderen Worten, ihre Errungenschaften zählen nicht als praktische Erfahrung im Feld.
„Kacchan“, sagt Deku nach ein paar Sekunden, in denen er über die Unzulänglichkeit von Regeln nachsinnt, „Bringen wir Aizawa-Sensei dazu, eine Heldenagentur zu eröffnen.“
Katsuki grinst.
~*~
„Nein“, sagt Aizawa.
Deku zieht eine Schnute. Katsuki erkennt sie als seine zweitstärkste, eine gute Wahl in Anbetracht der Situation. Vermutlich behält er seine stärkste Waffe in der Hinterhand für den Fall, dass die Lage ernst wird.
Aizawa sieht betont zur Seite.
„Bitte?“ Dekus Augen beginnen sich mit Tränen zu füllen. Er klingt wie am Boden zerstört.
Unter Aizawas Augen, die starr eine Ecke seines Schreibtisches fixieren, beginnt ein Muskel zu zucken.
Katsuki entschließt sich dazu, die schweren Geschütze aufzufahren.
Er tritt nach vorne. Die scharfe Bewegung bringt Aizawas Augen dazu, instinktiv zu ihm zu springen.
Er öffnet seine eigenen Augen weit und setzt einen flehentlichen Blick auf. „Sensei. Bitte.“
Aizawas Atem rauscht in einem harschen Zug aus ihm heraus. Katsuki hat zu keinem Lehrer bitte gesagt, seitdem er an der UA angefangen hat; er hat insgesamt um kaum mehr als das absolut Notwendigee gebeten, und Aizawa ist sich dessen bewusst.
Er muss nicht zur Seite blicken, um Deku neben ihn treten zu sehen, mit seiner ultimativen traurigen Miene, komplett mit der einzelnen, perfekt in Szene gesetzten Träne, die seine Wange herabläuft – wie von Eri abgeschaut, nachdem seine Standardtaktiken in ihrem zweiten Schuljahr ihre Wirkung gegenüber ihrem sturköpfigen Lehrer eingebüßt hatten.
Ihr Lehrer schwankt. Sie können das ‚Ja‘ beinahe kommen spüren, den Erfolg an ihren Fingerspitzen – bevor er es schafft, sich zu stählen.
„Gören“, sagt er durch zusammengebissene Zähne. „Das passiert unter keinen Umständen. Jetzt geht.“
Sie gehen. Sie wissen, wenn sie verloren haben.
Sie haben ohnehin einen Plan.
~*~
„Leute“, verkündet Katsuki später an diesem Abend im Gemeinschaftsraum, nach dem Abendessen. Die Klasse verfällt sofort in Schweigen.
„Wir brauchen Hilfe“, sagt Izuku.
~*~
Am nächsten Tag im Heldenkundeunterricht sollen sie Präsentationen über vergangene Heldenkämpfe halten, um sich daran zu gewöhnen vor Gruppen zu sprechen und um zu lernen, Indizien sowie eine Abfolge von Ereignissen auf zusammenhängende, selbstbewusste und effiziente Art und Weise darzustellen.
Anscheinend hat ihr Lehrer gezwungenermaßen schon an zu vielen Konferenzen mit anderen Helden teilgenommen, von denen manche nicht einmal ihre letzte Mahlzeit ordentlich beschreiben konnten, ganz zu schweigen von einer Begegnung mit einem Schurken, und er hat nicht vor, sie in die Welt hinausziehen und schlampige Arbeit präsentieren zu lassen.
Yaomomo ist als Letzte an der Reihe, wie es sich über die Jahre hinweg etabliert hat, damit die anderen nicht durch den Qualitätsunterschied zwischen Momos und ihren eigenen Projekten entmutigt werden.
Sie klickt auf ihre Präsentation. Auf dem Bildschirm erscheint eine PowerPoint Präsentation mit dem Titel: ‚21 Kinder und mehr: Warum es sowohl eine gute Idee als auch Ihre moralische Verpflichtung ist, eine Heldenagentur zu eröffnen und uns einzustellen, By Yaoyorozu Momo‘.
Der Kopf ihres Senseis ist schon in seinen Händen versunken, bevor sie auf die nächste Folie wechselt.
15 Minuten später – die Glocke hat nach der Hälfte geklingelt und ist von allen ignoriert worden, weil Momos leidenschaftlicher Monolog sie alle zu sehr gepackt hatte– gelangt sie zu ihrem Schlusssatz.
„Es lässt sich also als Fazit ziehen, Sensei, dass es für Sie genau wie für uns in finanzieller und emotionaler Hinsicht sowie aus Zeit- und Karrieregründen von Vorteil wäre, wenn Sie eine Heldenagentur eröffnen, der Sie als symbolisches Oberhaupt vorstehen, damit wir auch nach außen hin die Helden sein können, die wir bereits sind. Sie und die Situationen, die wir gemeinsam durchlebt haben, haben Helden aus uns gemacht, die vom jetzigen System nur zurückgehalten werden würden, und das ist Ihnen bewusst. Wir haben viel zu viel durchgestanden, um wie gewöhnliche Absolventen behandelt und in Rollen gezwängt zu werden, aus denen wir vor drei Jahren herausgewachsen sind. Wir haben zu viel gelernt, zu viel durchgemacht, um uns einen derartigen Rückschritt anzutun.“
Ihr lockerer Tonfall verweht vollständig und wird durch aus Gewissheit stammenden Ernst ersetzt. „Sensei, niemand anderes wird uns und unsere Art, die Dinge anzugehen, verstehen. Man wird versuchen, uns in Formen zu pressen, für die wir seit drei Jahren zu groß geworden sind.“ Sie macht eine Pause. „Viel wichtiger, wir schwören, dass wir allen unseren Papierkram selbst erledigen. Jeder einzelne von uns kann bereits Ihre Unterschrift fälschen“, sie ignoriert seinen entsetzten Blick, „also werden Sie nicht einmal etwas dafür tun müssen. Wir brauchen nur jemanden, der behauptet, uns zu beaufsichtigen.“
Aizawas Kopf ist immer noch in seinen Händen. „Ihr kommt zu spät zum Mittagessen“, sagt er nur.
~*~
„Er wird weich“, sagt Ashido, nachdem sie sich alle zum Mittagessen niedergelassen haben. Die Tische sind für eine Notfallbesprechung zusammengeschoben worden.
„Woher willst du das wissen? Der Typ hat ein perfektes Pokerface“, sagt Kaminari.
Iida mischt sich mit einer seiner steifen Armbewegungen in die Unterhaltung ein. „Ashido hat Recht, der Sensei hat diesmal nicht direkt nein gesagt. Er zieht es zumindest in Betracht.“
„Ich bin ehrlich überrascht, dass Momo ihn nicht überzeugen konnte“, sagt Sero nachdenklich. „Ihr Vorschlag, den Papierkram für ihn zu fälschen, sodass er nur eine Galionsfigur zu sein braucht, war brillant.“
Yaomomo wird ein wenig rot. „Na ja, es war klar, dass er unter keinen Umständen zustimmen würde, wenn er dann alle unsere Dokumente zu bearbeiten hätte. Um die Zeit aufbringen zu können, müsste der Sensei seine Arbeit als Lehrer aufgeben, und ich glaube nicht, dass er das will.“
„Also, was ist der nächste Plan?“, fragt Ojiro.
Asui legt mit einem unheilverkündenden Lächeln ihre Fingerkuppen aneinander. „Wenn es nichts bringt, mit ihm zu diskutieren, müssen wir zur nächsten Phase des Plans übergehen.“
~*~
Am nächsten Tag verschwindet Aizawas Schlafsack.
Den Gerüchten zufolge, die Jirou direkt aus dem Lehrerzimmer aufschnappen kann, hat er einen Erpresserbrief unter einer Tür durchgeschoben bekommen. Die Lehrer wissen zwar nicht, was darin stand, aber der Sensei hat ihn anscheinend für dreieinhalb Minuten mit ausdrucksloser Miene angestarrt und dann auf dem Gasherd verbrannt.
Der Sensei betritt ihr Klassenzimmer an diesem Morgen merklich gereizt.
„Die Antwort ist nein, ihr verdammten Bälger“, knurrt er.
„Sind Sie bereit, sich den Konsequenzen dieser Entscheidung zu stellen, Sensei?“ intoniert Asui von ihrem Stehplatz neben Tokayami aus, der den Schlafsack an einem Ende gegriffen hat, während Dark Shadow ihn vom anderen Ende aus zwischen ihnen vor den geöffneten Fenstern gespannt hält.
Aizawa wirft ihr einen sichtbar enttäuschten Blick zu, offensichtlich hatte er nicht erwartet, dass ausgerechnet sie diejenige ist, die diesen Plan ausgeheckt hat. Asui nimmt seinen Blick nicht zur Kenntnis; ihre dunkle Sonnenbrille macht es schwierig zu erkennen, ob sie ihn überhaupt ansieht.
„Ihr würdet es nicht wagen. Ich verweise euch alle der Schule“, droht er.
Asui seufzt. „So sei es. Aber denken Sie daran: Sie haben sich das selbst zuzuschreiben.“
Sie wendet sich dem Rest der Klasse zu, der sich an der Wand gegenüber dem Fenster und dem als Geisel genommenen Schlafsack in einer Reihe aufgestellt hat und in Militärhaltung Paintballgewehre präsentiert. Die dunklen Anzüge und Sonnenbrillen, die sie alle tragen, schaffen eine einschüchternde Atmosphäre.
„Anlegen!“, bellt sie. Der Raum füllt sich mit dem klickenden Geräusch von sich ladenden Waffen.
„Zielen!“ Mündungen heben sich, alle auf den gelben Schlafsack gerichtet. Asui wirft einen letzten Blick auf ihren Lehrer, der aussieht, als wolle er schlicht und einfach tot umfallen.
„Ich bereue es, dass ich euch Bälger je einen Sinn für Dramatik entwickeln lassen habe.“
„Feuer!“
Shouta hasst seine Schüler.
Am Ende der Stunde erhebt Shinsou seine Hand.
„Hat die Gleichung noch dieselbe Lösung, wenn man das quadriert?“, fragt er.
„Nein, wie um Himmels willen -“ Der Sensei kann seinen Satz nicht mehr beenden, da seine Augen glasig werden - mit dem typischen leeren Blick, der jemanden unter der Kontrolle von Shinsous Spezialität kennzeichnet.
„Ich befehle Ihnen, eine Heldenagentur aufzumachen und uns alle einzustellen“, intoniert er.
Der Mund ihres Lehrers öffnet sich, aber es kommt kein Laut heraus. Seine Kehle ruckt, während er offensichtlich gegen die Macht der Spezialität ankämpft.
Nach fünf Minuten leuchten seine Augen rot auf, als er es endlich schafft, seine eigene Spezialität zu aktivieren und Brainwash zu unterdrücken. Sie alle seufzen enttäuscht auf.
Er blickt sie alle gereizt an. „Das ist verdammt nochmal illegal, ihr Satansbraten.“
~*~
„Also, das hat nicht funktioniert“, sagt Kirishima.
Asui quakt traurig ihre Zustimmung.
„Keine Sorge, Leute, jetzt bin ich dran.“
Sie drehen sich um und blicken Mineta verängstigt an.
~*~
Mineta wird am Ende des Tages der Schule verwiesen.
„Und er hat es bis so kurz vor den Abschluss geschafft“, sagt Sero kopfschüttelnd.
„Na verdammt noch mal endlich“, sagt Momo.
~*~
In dieser Nacht werden sie alle um zwei Uhr dadurch geweckt, dass der Feueralarm losgeht.
„Alle“ bezieht sich in diesem Fall auf die gesamte Schule.
Todoroki wartet am festgelegten Sammelpunkt auf sie. Er steht in der Mitte der Wiese vor der Schule, vor einem riesigen Banner, das durch Säulen aus seinem Eis emporgehalten wird und im Licht des Vollmonds glänzt.
Es ist ein zweckentfremdetes Promposal-Banner, dessen Text ursprünglich „Willst du mit mir zum Abschlussball gehen?“ gelautet hat, jetzt aber ordentlich mit einer einzelnen Linie durchgestrichen ist, komplett mit Datum und Initialen, wie es den Vorschriften für die Änderung eines offiziellen Dokuments entspricht, als wolle er ihrem Sensei demonstrieren, wie sorgfältig er in den Lektionen über Bürokratie mitgearbeitet hat. Unter den durchgestrichenen Buchstaben steht in Großbuchstaben „Ich lösche das Feuer nicht, bis ich ein Ja kriege.“
Unglücklicherweise ist der Mond nicht unbedingt hell genug, um die einzelne dünne Linie sonderlich zur Geltung zu bringen. Diejenigen in der Schule, die nicht wissen, was abläuft, sehen sehr besorgt aus, weil es ein bisschen so rüberkommt als drohe ein Schüler jemandem damit, weiter Feuer zu legen, bis die Person mit ihm zum Abschlussball ginge.
Der einzige Lärm auf der Wiese kommt von den Schülern der 3A, von denen einige so sehr lachen, dass ihnen die Tränen kommen. Bakugou hält sich den Magen, sein Gesicht zu einer schmerzerfüllten Grimasse verzerrt, weil seine Lungen sich anfühlen, als ob sie der massiven Belastung nicht viel länger standhalten.
Todorokis ruhiger Blick findet Aizawa mit fast übermenschlicher Schnelligkeit, als der Mann endlich auf das Feld hinaustritt. Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, beugt er sich zu einer bis dahin unbemerkten Lautsprecherbox hinunter und drückt auf einen Knopf.
Vor einigen Jahren hat All Might einen Sponsorenvertrag mit Nike abgeschlossen. In der Hochphase dieser Ära hat er einen Werbespot gedreht, in dem er das Motto der Marke sehr dramatisch und sehr laut hinausdonnert.
Jetzt, mit dem Bass zum Anschlag aufgedreht, schallt dieses einzelne „Just Do It“ über das gesamte Feld, direkt in Aizawa-Senseis emotionsloses Gesicht.
Hinter ihm blickt All Might drein, als sehne er einen raschen Tod herbei.
~*~
Irgendwie wird Todoroki nicht der Schule verwiesen.
Es könnte etwas damit zu tun haben, dass Endeavor ein paar Fäden zieht. Wahrscheinlicher jedoch liegt es daran, dass Nedzu vor Lachen für volle zehn Minuten bewegungsunfähig war.
~*~
Am nächsten Tag knallt Ochako 7000 Yen auf das Lehrerpult eines erschöpften Aizawa, die dunklen Ringe um ihre Augen tiefdunkel und bedrohlich.
„Sicherlich bin ich mehr wert als 7000 Yen.“
Sie knallt nochmal 7000 Yen auf das Pult.
Er sieht versucht aus.
„Mr Whiskers braucht tatsächlich ein neues Halsband“, murmelt er.
Sie können den Sieg beinahe schmecken.
Kaminari schließt sich vor Aufregung kurz. Sensei sieht ihn milde angewidert an.
Er schiebt das Geld zurück. „Unter keinen Umständen.“
~*~
„Ich bin Mann genug zuzugeben: Das war meine Schuld“, beginnt Kaminari eines ihrer weiteren Treffen.
„Um ganz ehrlich zu sein, Leute“, Izuku rutscht tiefer in das Sofa im Gemeinschaftsraum ihrer Wohngruppe, „mir gehen die Ideen aus.“
Das hat noch nie jemand von Midoriya gehört. Todoroki sieht ihn leicht verängstigt an, während alle anderen zustimmend nicken. Eine unzufriedene Stille senkt sich über sie alle.
Kouda steht auf. Wortlos schreitet er zum Haupteingang der Wohngruppe hinaus.
Sie sehen ihm nach und fragen sich, was der stillste ihrer Klassenkameraden wohl vorhat.
~*~
Am nächsten Tag betritt Aizawa-Sensei das Klassenzimmer und seufzt tief.
„Ich bin überzeugt“, sagt er.
Jubelschreie erfüllen den Raum. Kirishima springt überschwänglich auf Kouda zu und bringt sie beide zu Fall. Möglicherweise schluchzen beide dabei, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Der Rest der Klasse gesellt sich rasch auf den Haufen und erdrückt den armen Jungen am Fußboden.
Kouda schlägt etwas verzweifelt am Boden ab. Danach beeilen sie sich alle, ihn wieder aufstehen zu lassen, und klopfen ihm dankbar auf die Schultern oder den Rücken.
„Was hat Sie überzeugt, Sensei?“, fragt Shinsou, der als Einziger furchtlos genug ist, es auszusprechen.
Wortlos beugt sich Sensei hinter seinen Schreibtisch und richtet sich mit etwas in seinen Armen wieder auf.
Es ist eine junge Katze.
„Das ist Ms Floppy Ears. Ich liebe sie von ganzem Herzen.“ Er lächelt den kleinen, flauschigen Fellball an.
„Oh mein Gott.“ Shinsous Stimme wird um mehrere Oktaven höher. „Oh mein Gott, ich auch.“ Er taucht in Rekordzeit auf der anderen Seite des Tisches auf und streckt vorsichtig eine Hand aus, um Ms. Floppy Ears daran schnuppern zu lassen.
Sie hat wirklich sehr niedliche Schlappohren.
„Falls ihr irgendwas zustößt“, fährt Aizawa fort, „bringe ich jede einzelne Person in diesem Raum um und dann mich selbst, und das ist ein Versprechen.“
„Sensei, Sie kennen Memes?“ Ashido hüpft aufgeregt auf der Stelle.
Er sieht verwirrt drein. „Nein?“
~*~
„Und was ist jetzt eigentlich euer Plan?“, fragt der Sensei schließlich und scheint es sofort zu bereuen, als sie sich ihm alle mit identischen breiten Grinsen zuwenden.
Yaoyorozu steht auf und zieht ein Plakat aus dem buchstäblichen Nichts.
„Sensei, lassen sie mich unseren Zehn-Punkte-Plan dafür vorstellen, die zukünftig weltweit coolste Heldenagentur zu werden.“
Der Kopf ihres Lehrers sinkt langsam zurück in seine Hände. „Fangt … fangt einfach mit dem Namen an.“
Izuku ist derjenige, der ihm antwortet. „Der Name unserer zukünftigen Agentur lautet ... ,Heroes Rising‘.“
