Work Text:
Sie hatten es überstanden. Armageddon war gestoppt, niemand war zu Schaden gekommen. Nun, einige Wochen danach, hatten sich ein gewisser Engel und ein grummeliger Dämon immer noch nicht an die ruhigeren Zeiten gewöhnt.
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Der Regen prasselte gegen die von der warmen Luft im Inneren beschlagenen Fensterscheiben des Buchladens. Draußen war es längst Nacht, eine kühle Brise, die den Winter ankündigte, wirbelte Papierfetzen auf der Straße auf und ließ spätabendliche Spaziergänger frösteln und die Hände in den Taschen vergraben.
Unbehelligt von dem ungemütlichen Wetter war nur der Mond, der sich in seiner ganzen runden Pracht am Himmel zeigte, und in den Laden spähte, ganz der stille Beobachter, und Teil hatte an der Zweisamkeit der übermenschlichen Wesen, die im Inneren auf dem Sofa saßen.
Aziraphale blätterte in einem Buch, giggelte jedes Mal leise, wenn er eine besonders amüsante Passage überflog. Der Dämon neben ihm schwenkte den Whiskey in seinem Glas, von der bernsteinfarbenen Flüssigkeit hatte er gerade mal genippt.
Viel lieber betrachtete er den Buchhändler dabei, wie seine Augen leuchtend an den Zeilen klebten und sich hin und wieder ein leichtes Lächeln auf die weichen Züge schlich. Das goldene Licht der Deckenlampe ließ das weißblonde Haar wie einen Heiligenschein leuchten und fing sich in den aquamarinblauen Augen. Er hätte ihn ewig betrachten können.
Aziraphale war gerade bei einer höchst romantischen Ballszene angelangt, als Crowleys Kopf zur Seite kippte und ihm das Glas aus der Hand fiel. Von dem Klirren des Glases und dem Spritzen des Alkohols gegen seine Kleidung fuhr der Dämon hoch und rieb sich schläfrig die rot geränderten Augen.
"Sorry, Engel.", murmelte er und wirkte ein Wunder, das das Getränk zurück ins Glas und das Glas zurück auf den Tisch beförderte. Er gähnte, zwang sich aber, die Augen offen zu halten und setzte sich gerader hin.
"Ach, nicht doch. Du musst nicht wach bleiben, nimm dir einfach eine Decke und mach ein Weilchen die Augen zu.", er bedachte den erschöpften Dämon mit einem liebevollen Lächeln und reichte ihm eine graue Wolldecke.
Zögernd nahm er sie und legte sie sich in den Schoß. "Es geht schon, so müde bin ich nicht. Außerdem bin ich schlafend keine besonders gute Gesellschaft."
"Unsinn, du hast seit Armageddon nicht mehr richtig geschlafen, ich sehe doch, dass du kaum noch geradeaus schauen kannst. Außerdem verbringe ich gern Zeit mit dir, ob du wach bist, oder nicht, spielt dabei keine Rolle."
Mit rosa Wangen und mit sich ringend zupfte Crowley an seinem Ärmel. Der Engel seufzte und klappte sein Buch zu: "Ich verstehe, dass es schwierig ist, sich nach der ganzen Aufregung zu entspannen. Wie wäre es, wenn du dich einfach kurz hinlegst und die Augen schließt? Ich kann solange aufpassen und wenn etwas ist, wecke ich dich selbstverständlich sofort."
Zögernd nickte Crowley, drapierte sich so, dass seine langen Gliedmaßen auf dem Sofa Platz fanden und zog die Decke über sich. "So besser?", neckte er müde.
"Perfekt, Liebes. Möchtest du, dass ich dir etwas vorlese?", fast schon schüchtern nickte er und Aziraphale las mit ruhiger Stimme dort weiter, wo er auf gehört hatte.
Nach weniger als zwei Kapiteln war der Kopf des Dämons auf die Lehne des Sofas gesunken und sämtliche Anspannung war aus seinem Körper gewichen. Sanft lächelnd schob Aziraphael dem Dämon eine Strähne seines Haars aus dem Gesicht, das im Licht rotgolden schimmerte.
Er zog die Decke zurecht und kam nicht umhin, zu bemerken, das die geröteten Wangen, der entspannte Gesichtsausdruck und die leicht geöffneten Lippen etwas fast schon engelhaftes hatten.
Es kam ihm unhöflich vor, seinen Freund beim Schlafen zu beobachten, deshalb riss er sich los und schlug sein Buch wieder auf.
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