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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-09-01
Completed:
2025-09-29
Words:
24,527
Chapters:
5/5
Comments:
1
Kudos:
4
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2
Hits:
156

Der beste schlimmste Camping-Ausflug aller Zeiten

Summary:

Es ist früher Herbst und die Lehrer der A-Klasse nehmen die Schüler mit auf einen Camping-Trip, um ihnen etwas über das Überleben in der Wildnis beizubringen. Doch direkt am ersten Tag, nach einer Reihe unglücklicher Ereignisse, trägt Shouta Hizashis Kleidung und teilt sich ein Zelt mit Toshinori. Die Dinge werden nur schlimmer als Shouta sich dieselbe Erkältung einfängt, die gerade in der Schule rumgegangen ist. Nun, da er seine Schüler nicht mehr selbst unterrichten kann, muss Shouta sich auf Hizashi und Nemuri als Camping-Leiter verlassen. Währenddessen bleibt Toshinori nichts anderes übrig als sich um Shouta zu kümmern.

Was mehr als nur etwas seltsam ist.

Denn Shouta ist nicht nur krank mit einem Virus.

Er ist liebeskrank. Wegen Toshinori.

Notes:

Um der englischen Übersetzung und dem Original-Japanisch getreu zu bleiben, werden die Namen der Charaktere nicht eingedeutscht.

Für bessere Lesbarkeit wird innerhalb dieser Fanfiktion nicht gegendert. Stattdessen wird sich an den neutralen Ausdrücken der englischen Sprache orientiert.

Chapter 1: Der schreckliche Anfang

Chapter Text

„Wir sind da!“, kündigte Hizashi an, als der Motorlärm verklang und der Bus abrupt anhielt.

Shouta zuckte zusammen, während sein Gehirn unfreiwillig aus dem Halbschlaf gerissen wurde. Vage, verzerrte Geräusche nahmen klare Klänge um ihn herum an. Die Gespräche von Schülern und Gelächter manifestierten sich in seinem Kopf. Er zog eine Grimasse hinter seinem Schal und öffnete ein Augenlid. Hizashi war schon aus dem Bus gestiegen, und die Schüler der Klasse 1-A liefen ihm mit ihren Reisetaschen und Rucksäcken über den Schultern geordnet hinterher.

Gegenüber vom Shoutas Platz am Gang saß Toshinori. Mit geraden Rücken hielt er sich an der Stange seines Sitzes fest, während er geduldig darauf wartete, dass er mit Aufstehen dran war. Er trug Wanderschuhe, Jeans, und ein weißes T-Shirt unter den weichen Linien des grau-gelb-karierten Flanell-Hemd, dessen Ärmel halb bis zu seinem Unterarm hochgerollt waren. Eine blaue UA-Baseball-Kappe hielt seine langen Haarsträhnen zurück.

Nemuri stand hinter Toshinori und betrachtete die Nägel ihrer rechten Hand, während sie mit der Linken an dem Träger ihrer robusten Schultertasche festhielt.

„Bist du wach?”, sagte Toshinori. Er blickte zwischen den vorbeimarschierenden Schüler zu Shouta und schenkte ihm ein Lächeln.

„Hm“, grummelte Shouta undeutlich, blickte weg und vergrub sein warm werdendes Gesicht etwas mehr in seinem Fangschal. Warum musste Toshinori auch so attraktiv in dieser Kleidung aussehen?

„Werd‘ mal lieber wach, denn das ist dein Einsatz“, sagte Nemuri. Sie warf ihr Haar von ihrer Brillenfassung und zupfte den Saum ihres Rolling Stones T-Shirts zurecht. Es sah aus als gehöre es Hizashi. Es war allseits bekannt, dass sie ab und an seinen Kleiderschrank durchwühlte und Hizashi hatte gegenüber Shouta zugegeben, dass ihm das ziemlich gefiel. 

Shouta seufzte, setzte sich auf und schwang die Beine vom Sitz neben sich runter. Mit einem dumpfen Tap seiner Wanderschuhe pflanzte er die Füße auf den Boden, bevor er träge die Arme über seinen Kopf streckte. Er hatte auf etwas mehr Schlaf gehofft, vor allem nach seiner langen Streife vorherige Nacht, aber das Glück war ihm wohl nicht gegönnt. In Autos – oder in diesem Fall ein fahrender Bus – zu schlafen ließ ihn selten zur Ruhe kommen, so als hätte er stets zu befürchten, bei jeder scharfen Kurve aus dem Sitz zu fliegen. Dazu kamen die lauten Kinder. Kein Wunder, dass er kaum durchgeschlummert hatte.

Die letzte Reihe an Schülern zog vorbei und Toshinori erhob sich. Er duckte sich vor der niedrigen Decke und schenkte Shouta ein letztes, flüchtiges Lächeln, bevor er aus dem Bus stieg. Nemuri betrachtete Shouta einen kurzen Moment, dann grinste sie und zwinkerte ihm zu.

Shouta presste die Lippen zusammen und seine Augenbrauen senkten sich. „Was jetzt?“

„Ach, nichts“, sagte Nemuri, während sie den Gang runterschlenderte und die Treppen runterging.

Shouta war alleine. Und genervt. Was hatte dieser Blick zu bedeuten? Ein leises Knurren entrann seiner Kehle, während er seine Hände zu Fäusten ballte und sich ein Knoten in seinem Magen formte. Es machte ihn immer nervös, wenn sie ihm zuzwinkerte. Falls sie beabsichtigte, sich in sein Privatleben einzumischen, dann würde ihn das sehr auf die Palme bringen.

Shouta spielte kurzerhand mit den Gedanken, einfach seine Augen zu schließen und in den Schlaf zurückzukehren. Doch dann stieß er erneut ein Seufzen aus und erhob sich von seinem Sitz. Sie würden Hilfe beim Ausladen der Kanus und der Campingausrüstung brauchen.

Er klopfte seine schwarze Jeans ab und zupfte den Saum seines tiefgrauen Sweatshirts ab, wobei er ein paar Fussel loswurde. Dann ging er mit schweren, trägen Schritten die Bustreppe runter.

Shoutas Stiefel landeten auf feinen, staubigen Kies. Sie befanden sich auf einem verlassenen Parkplatz, der von hohen Spindelsträuchern umgeben war. Die Äste klammerten sich verzweifelt an den wenigen goldenen und scharlachroten Blättern, die noch nicht auf den steinigen Waldboden gefallen waren. Die Luft war kalt. Es ging eine sanfte, kühle Brise.

Shouta erkannte eine verschwommen helle Sonne hinter dem Schleier des weiß-grauen Himmels. Ihrer Position zu urteilen, musste es ungefähr Neun Uhr morgens sein. Gut. Sie waren noch im Zeitplan.

Die anderen hatten den Anhänger geöffnet. Bakugo und Kirishima zogen die Kanus aus den Steckplätzen und stellten sie auf den Boden. Hizashi hatte die Gepäckklappe des Buses geöffnet, holte Campingzeug heraus und reichte sie an die anderen Schüler weiter. Das meiste der Hauptrüstung war in großen, blauen Reisetaschen eingelagert, aber daneben gab es auch einige kleinere Packen und eingerollte Schlafsäcke, die den Kindern gehörten, sowie die persönliche Ausrüstung der Lehrer.

Das letzte Teil, das den Bus verließ, war Shoutas eigener schwarzer Packen und der vertraute gelbe Schlafsack. Ein paar der Schüler schnappten sich ihre Sachen und brachten sie zu den Kanus, bevor sie diese strategisch aufluden, sodass sich das Gewicht im Kanu ausgleichen würde.

Vielleicht brauchten sie seine Hilfe gar nicht.

Der Bus versprühte eine starke Anziehung auf Shouta. Er war jetzt nicht nur müde, sondern ihm war auch kalt. Er schaute zu, wie sein Schlafsack von Mina davongetragen wurde, und ein Seufzen der Enttäuschung senkte langsam seine Brust. 

„Komm schon, Sho, beeil dich!“, brüllte Hizashi von der anderen Seite des Parkplatzes. Er trug ein schwarzes T-Shirt der Band Queen und enge Jeans unter einer schwarzen Jacke. Sein langes, blondes Haar war in einem Halbzopf nach hinten gebunden. Er blickte über den Rand seiner gelben Markenzeichen-Sonnenbrille und hob die Augenbrauen fast bis zum Haaransatz.  

Shouta schürzte die Lippen zu einem genervten Ausdruck, den er nur teilweise hinter seinem Fangschal versteckt bekam. Hizashi schien es nicht zu bemerken, und falls doch, war es ihm egal. Der Voice Held winkte mit dem Arm, dass er endlich kommen sollte. Shouta seufzte und überquerte den Parkplatz, um zum Rest der Gruppe aufzuschließen. Seine Stiefel knirschten laut unter dem feinen Kies.

Uraraka wendete ihre Macke Zero Gravity an, um die Kanus und das Gepäck leichter zu machen, während die anderen Schüler sich in kleine Gruppen aufteilten, miteinander redeten und lachten. Shouta ging zu Hizashi, der sich nach vorne beugte, um Shouta zu mustern.

„Mann, alles okay? Du wirkst echt neben der Spur“, sagte Hizashi. Er stemmte seine Hände locker auf die Hüften und kräuselte die Augenbrauen.

„Hm“, grummelte Shouta und zuckte mit den Schultern. „Lange Nacht. Müde.“ Er ließ seinen Blick über das Meer an Schülern gleiten, während er sie in seinem Kopf durchzählte. Nur vierzehn der zwanzig Schüler waren da. Die anderen hatten sich irgendeine Atemwegsinfektion zugezogen und waren Zuhause geblieben. Zu den Fehlenden gehörten Sero, Aoyama, Momo, Mineta, Tsuyu und Koda. Aber diejenigen, die anwesend waren, hatten gute Laune, und die allgemeine Stimmung war positiv, auch wenn sich ihre Gruppe nicht ganz komplett anfühlte.

Shouta trat ein paar Schritte vor.

„Alle aufgepasst!“, rief er laut, während er die Arme vor die Brust verschränkte und den Rücken durchdrückte. Stille legte sich über die Gruppe, als die Schüler und anderen Lehrer ihre Aufmerksamkeit auf Shouta richteten. „Willkommen zum Wildnis-Überlebens-Camp“, sagte er. „Als Helden kann es euch sehr wohl passieren, dass ihr plötzlich und völlig unerwartet in der Wildnis landet. Daher ist es wichtig, auf diese mögliche Eventualität vorbereitet zu sein. In den nächsten fünf Tagen werdet ihr sowohl die Grundlagen des Überlebens durchgehen als auch ein hartes Ausdauertraining absolvieren. Das ist kein Ferienausflug, also kommt gar nicht erst auf die Idee, euch entspannt zurückzulehnen.“

„Ja, Herr Aizawa!“, antworteten die Schüler im Chor.

„Und nun“, fuhr Shouta fort. „In jedes Kanu passen zwei Leute, also werdet ihr euch in Paaren aufteilen. Ein paar von euch haben uns mitgeteilt, dass ihr noch nie in einem Kanu gewesen wart, daher werdet ihr bei uns Lehrern mitfahren. Midoriya, du bist mit Allmight in Kanu Nummer Eins, Jiro bei Present Mic in Nummer 4, Mina bei Midnight in Sieben, und Kaminari, du bist bei mir in Nummer 9. Die anderen Paare stehen ebenfalls schon fest. Iida und Todoroki sind in Kanu Nummer 2, Fumikage und Toru in Drei, Ojiro und Shoji in Fünf, Kirishima und Sato in Sechs, und Bakugo und Uraraka in Acht. Jeder soll seinen Partner finden und sich das Kanu mit der entsprechenden Nummer schnappen. All Might, zeig uns den Weg.“

Alle taten sich zusammen, hoben ihre nun leichtgewichtigen Kanus vom Boden auf und marschierten hinter All Might über einen gut geebneten Weg. Blätter knirschten und Zweige knackten unter ihren Füßen. Eine kühle Brise wehte durch die Äste und prickelte auf Shoutas Haut. Er war froh, dass er unter seiner Kleidung eine Schicht Thermowäsche trug. Im Verlauf der nächsten Tage würden die Temperaturen noch tiefer sinken, was ideal für das Ausdauertraining sein würde. Und dass kein Regen angekündigt war, würde allen Anwesenden ein mieses Schicksal ersparen. Immerhin war das hier ein Anfängerkurs.

Bisher schienen die Dinge gut zu verlaufen, abgesehen davon, dass ein paar der Schüler wegen Krankheit nicht mitkommen konnten. Aber Shouta hatte ihnen versichert, dass sie den Kurs noch nächstes Jahr nachholen könnten.

Die Erschöpfung fing an, wie ein schweres Gewicht auf Shouta zu wiegen, was ihn ein wenig überraschte. Er hatte erwartet, sich etwas wacher zu fühlen, sobald er seinen Kreislauf in Bewegung gebracht hatte, aber stattdessen war ihm seltsam schwindelig, und seine Beine fühlten sich dick und schwer an. Er brauchte wirklich dringend Schlaf. Sobald sie das Camp aufgebaut und den Schülern ihre erste Aufgabe gegeben hatten, würde er sich sicher eine Weile in seinen Schlafsack einrollen.

Der Pfad begann zunächst sanft abzufallen, doch schon bald begegneten sie steilem Gefälle mit kleinen Abhängen und zerklüfteten Felsbrocken, die eine schmale Kehre bildeten, welche durch den nebligen Boden und eine dünne Algenschicht glitschig war. Es wurde schwieriger, die Kanus durch die engen Kurven zu manövrieren, und das Kichern und die Gespräche nahmen deutlich ab, als die Paare zusammenarbeiteten, um die Boote um jede Ecke zu kriegen.

Schließlich weitete sich der Pfad nach unten und führte sie zu einem offenen, grobkörnigen, grauen Sandstrand. Vor ihnen lag ein stiller See, der von buntherbstlichen Wäldern und schwarz-grüne Felswänden gesäumt war. In der Ferne befand sich eine gigantische Insel, die sich wie in Alligatorkopf aus dem tiefen, schwarzen Wasser hervorhob. Sie lag nah genug, dass die Kanufahrt dahin relativ sicher sein würde, aber immer noch weit genug, dass es besonders für diejenigen, die das Stadtleben gewohnt waren, eine Herausforderung darstellen würde. Die Insel war mit denselben leuchtenden, rot-goldenen Wäldern und Felsvorsprüngen, die der knorrigen Haut eines Alligators ähnelte, bedeckt, wodurch die Insel zu ihrem Namen gekommen war: Alligator Island.

Alle gingen runter zu dem rauschenden Ufer des Wassers und stellten ihre Kanus in einer überraschend ordentlichen Reihe auf. Uraraka löste Zero Gravity von der Last und wischte sich erleichtert über die Augenbrauen.

„Puh!“, sagte sie mit einem schiefen Lächeln. „Das fing an, langsam schwer zu werden!“

Shouta seufzte und streckte seinen Rücken. „Alles klar, Leute, wir machen eine Trinkpause“, sagte er.

Mehrere Schüler, die von den Anstrengungen der letzten Meter atemlos waren, setzten sich in den Sand und holten ihre Trinkflaschen raus. Iida machte ein paar Dehnübungen. Midoriya zog einer seiner Stiefel aus und schüttete etwas Schutt aus ihnen, während er und Toshinori sich unterhielten. Uraraka, Toru und Mina kämmten den Sand nach interessanten Kieselsteinen ab, während sie ein paar Schlucke aus ihren Trinkflaschen nahmen.

„Ich wusste gar nicht, dass der Ausdauerteil des Camps schon angefangen hat“, sagte Kaminari zwischen keuchenden Stößen. Er holte seine Trinkflasche raus und nahm ein paar lange Schlucke.

Shouta schaute zu ihm und grinste. „Vertrau mir, das ist noch gar nichts“, sagte er.

Kaminari stieß ein langes Stöhnen aus und ließ sich in den Sand fallen.

„Meine Güte, Kaminari“, sagte Jiro ein paar Meter weiter weg, wo sie auf ihren Händen zurückgelehnt saß. „Das war doch bloß ne kleine Wanderung.“

„Das nennst du ne kleine Wanderung?“, sagte Bakugo mit verschränkten Armen. „Das war allerhöchstens ein Spaziergang. Kommt schon, worauf warten wir? Lasst uns schon endlich gehen!“

Shouta blickte zum Himmel hoch. Die Sonne würde in ungefähr einer Stunde zum Vorschein kommen. Er seufzte und schluckte gegen das trockene Gefühl in seinem Hals. Seine Brust fühlte sich seltsam eng an und er war immer noch etwas erschlagen, aber sie mussten die Insel bald erreichen, damit noch genug Tageslicht da war, um das Camp aufzubauen.

Seine Gedanken wurden abrupt von Kaminaris Aufschrei gestört.

„Ahh! Biene!“, schrie Kaminari, sprang aus dem Sand und stolperte panisch weg.  

„Oh in Gottes Namen“, murmelte Shouta. „Renn nicht weg“, sagte er lauter, während er Kaminari einen ernsten Blick zuwarf. „Wenn du schon mit einer Biene nicht klar kommst, wirst du die Woche nicht überleben.“

Kaminari blieb stehen und wimmerte. Die Biene schwebte einen Moment lang über ihn, während er versuchte, sich klein zu machen und dem Insekt auszuweichen, bevor es endlich wegflog.

„Wow, Denki, ich wusste nicht, dass du solche Angst vor Bienen hast“, sagte Kirishima mit einem Grinsen.

„Die Stiche tun doch kaum weh“, murmelte Todoroki.

„Seid still!“, zischte Kaminari, der seine Hände zu Fäusten ballte und verteidigend zu ihnen blickte. „Ich wurde als Kind von einem Schwarm Hornissen angegriffen, also machen sie mir Angst, na und?“

„Das reicht“, sagte Shouta. Seine Geduld war langsam am Ende. „Machen wir weiter. An alle, zieht eure Rettungswesten an und bereitet eure Kanus vor. Wir machen das ordentlich der Reihe nach. All Might und Midoriya übernehmen die Vorhut, und ich und Kaminari bilden das Schlusslicht. Wir gehen nach den Nummern auf den Kanus. Info angekommen?“

„Ja, Herr Aizawa!“, sagten alle Schüler im Chor.

Als alle ihre Westen anzogen und die Ruder ausfindig machten, ging Hizashi auf Kaminari zu und klopfte ihm auf den Rücken.

„Mach dir keine Gedanken darum, Buddy. Ich mag Insekten auch nicht sonderlich. Wir stehen das gemeinsam durch, yeah?“ Er gab Kaminari eine Rettungsweste. Der Schüler nickte und starrte immer noch mit etwas blassen Gesicht auf den Sand, bevor er die Weste nahm und anzog. Hizashi ging zurück zu seinem eigenen Kanu und half Jiro.

„Kaminari“, sagte Shouta, während er seine eigene Weste schloss. „Komm schon, ich zeige dir, wie man das Kanu ins Wasser lässt und antreibt. Du gehst nach vorne.“

„Ach… echt?“ Kaminari sah verwirrt aus, als er zu ihm ging.

„Die Person hinten übernimmt das Steuern, du bringst den Antrieb und gibst Acht.“

„Okay, verstanden.“

„Alles klar, dann lass mich dir zeigen, wie man in einem Kanu sitzt.“ Shouta kletterte hinein und kniete sich hin, bevor er zu Kaminari aufschaute. „Das Erste, woran du denken musst, ist im Kanu immer in der Hocke zu bleiben. Versuch nicht aufzustehen oder dich großartig zu bewegen, sonst kenterst du. Bleib auf den Knien und fokussier deinen Körperschwerpunkt nach unten…“

Shouta und die anderen Lehrer erklärten weiter ihren Neulingspartnern die Grundlagen des Kanufahrens, während der Rest der Gruppe das Gewicht der Ausrüstung besser mit dem Gewicht ausglichen und festlegten, wer von ihnen das Bug und wer das Heck übernehmen würde. Toshinori und Midoriya würden das Tempo für die Gruppe festlegen und die anderen würden sich dementsprechend anpassen.

Sie verbrachten eine Stunde damit, ihnen die Techniken und Sicherheitsvorschriften zu erklären und sicherzugehen, dass alle Schüler das Protokoll verstanden hatten, bevor sie endlich ihre Kanus ins kühle Wasser ließen.

Sie verließen den Strand in einer relativ sauberen Linie, und Toshinoris Kanu lag weit in der Ferne, als Shouta und Kaminari das letzte Kanu ins Wasser schickten und hinter Uraraka und Bakugo paddelten. Das Wasser war ruhig, abgesehen von der leichten Welle, die das Boot vor ihnen aufschaukelte.

Shouta konnte spüren, wie die Temperatur sank, je weiter sie aufs Wasser kamen. Der Wind nahm etwas zu, durchwehte sein Haar und schickte ihm einen Schauer über den Rücken. Als jemand, der überwiegend draußen und nachts arbeitete, war er die Kälte gewöhnt, und doch kam es einem mitten auf dem Wasser deutlich kälter vor.

Es war eine gute Gelegenheit für die Schuler, sich dem Unbehaglichen zu stellen.

Nicht lange und Shouta spürte, wie ihm von der Anstrengung warm wurde. Kaminari lernte überraschend schnell und leistete gute Arbeit darin, das Tempo der anderen zu halten, sodass Shouta wenig Probleme mit dem Steuern hatte. Die Kanus vor ihnen blieben in einer nahezu geraden Linie und niemand schien Probleme zu haben. Die Dinge liefen gut.

„Ahhh!“, kreischte Kaminari plötzlich, rutschte in seinem Sitz und riss sein Padel aus dem Wasser. Das Boot schaukelte prekär bei dem plötzlichen Ungleichgewicht.

„Kaminari, hör auf!“, sagte Shouta knapp, während er mit weit aufgerissenen Augen sein eigenes Paddel aus dem Wasser zog und versuchte das Gewicht im Boot auszugleichen. Dann sah er es. Eine Biene, die über Kaminaris Schulter flog. „Scheiße“, zischte er. „Beweg dich nicht“, sagte er in einem sanfteren Ton. „Sie wird dir nichts tun.“

Urakaka vor ihnen, die die hintere Position innehatte, drehte sich vorsichtig zu ihnen um.

„Alles okay?“, rief sie.

„Biene!“, schaffte Kaminari zu sagen.

Die Biene blieb noch einen Moment, bevor sie wegflog. Shouta konnte sehen wie sich Kaminaris Schultern leicht entspannten, und fühlte, wie die Anspannung in seinen eigenen Körper sich langsam auflöste. Er stieß den Atem aus, den er unbewusst angehalten hatte.

„Alles klar, machen wir weiter“, sagte Shouta. Kaminari nickte und senkte sein Paddel zurück ins Wasser. Er fing an, sie wieder vorwärtszubewegen, und Shouta arbeitete mit seinem eigenen Paddel, um das Kanu stabil zu halten.

„Ahh!“, schrie Kaminari nochmals, duckte sich runter und schaukelte das Boot, als er sein Paddel endgültig fallen ließ und an den Seiten des Kanus festhielt. Die Biene war zurück und schwirrte und summte vorne um das Boot herum.

„Kaminari, nicht!“, sagte Shouta. Er griff geschickt nach dem Paddel, als es vorbeitrieb, und zog es zurück ins Kanu. „Sie wird dir nichts tun. Sie ist nur neugierig.“

Uraraka hatte sich wieder in ihrem Sitz umgedreht und nun schaute Bakugo nach hinten.

„Werd zu einem Mann, Kaminari, es ist bloß ein kleiner Käfer!“, schrie Bakugo genervt.

„Sei still!“, schrie Kaminari zurück. Seine Fingerknöchel am Rand des Bootes hatten sich weiß gefärbt. Die Biene krabbelte auf dem Bug des Kanus, bevor sie sich wieder in die Luft schwang und ein Stück rückwärts flog, bis sie direkt vor Kaminaris Gesicht summte.

Panisch rutschte Kaminari zurück und sprang auf die Füße.

„Nicht!“, schaffte Shouta zu schreien, bevor das ganze Boot auf die Seite rollte und sie ins Wasser stürzten.

Die plötzliche Kalte war wie ein elektrischer Schlag.

Sie tauchten nur einen Moment lang unter die Wasseroberfläche, bevor die Rettungswesten sie nach oben zogen, doch es reichte, um Shoutas Kopf vom Eiswasser pochen und stechen zu lassen. Er schüttelte nasses Haar aus seinen Augen, suchte die Umgebung nach Kaminari ab und fand ihn ein paar Meter weiter weg. Er schwamm rüber und packte die Rettungsweste des Schülers, damit er nicht davontrieb. Dann zog er ihn zum gekenterten Kanu und schob seine zitternde Hand unter das Wasser, um die Kante des Boots zu greifen.

„Es tut mir leid! Es tut mir leid!“ Kaminari war am Schreien.

„Hör auf!“, sagte Shouta mit fester Stimme. „Du schiebst Panik. Nimm einen tiefen Atemzug, alles wird gut.“ Seine Augen blitzten rot und seine nassen Haare schwebten über seinen Kopf, als er seine Macke Löschung einsetzte, um zu verhindern, dass sein panischer Schüler ausversehen seine Elektrisierung aktivierte und sie schockte.

Uraraka und Bakugo hatten das Kanu umgedreht und ruderten zu ihnen zurück.

„Seid ihr okay??“, sagte Uraraka, als deren Kanu neben ihnen trieb und schließlich anhielt.

„Du Idiot!“, schrie Bakugo Kaminari an.

„Sei still!“, schrie Kaminari zurück.

„Hört auf, alle beide“, sagte Shouta ernst.

„Hier, lasst mich euch helfen“, sagte Uraraka. Sie streckte eine Hand aus, berührte den Rumpf des gekenterten Kanus und aktivierte ihre Macke. Das tropfnasse Kanu erhob sich in die Luft, wo Uraraka es vorsichtig nach oben rollte, bevor sie ihre Finger zusammenschlug.

„Auflösen!“       

Mit einem Plopp landete das Boot zurück ins Wasser und spritzte Wassertropfen über den fröstelnden Kaminari und Shouta. Nun, da sich Kaminari augenscheinlich beruhigt hatte, deaktivierte Shouta seine Löschung und zusammen manövrierten die Vier das Kanu, bis es neben dem von Uraraka und Bakugo war. Sie hielten es an der Seite fest und nutzten ihr eigenes Kanu als Gegengewicht, bis Shouta hineingeklettert war und Kaminari zurück ins Boot half.

„Wir haben unsere Paddel verloren“, jammerte Kaminari.

„Du kannst eins von unseren haben“, sagte Uraraka mit einem schiefen Lächeln.

„Und unser ganzes Zeug“, fügte Kaminari hinzu.

„Passiert schon mal“, sagte Shouta, der sich bemühte, seine eigene Frustration zurückzuhalten. „Sieh es als gute Lektion, um davon zu lernen. Und genau aus diesem Grund geraten wir nicht in Panik.“

„Ja, Herr Aizawa“, sagte Kaminari und nickte düster, während er fröstelnd auf den Boden des Kanus niederstarrte.

Shouta suchte die Oberfläche des Sees nach Anzeichen ihrer Ausrüstung ab, doch es war offensichtlich, dass alles zu Boden gesunken war, außer den Paddels, die in der Ferne wegtrieben.

„Uraraka, Bakugo“, sagte Shouta und zeigte aufs Wasser. „Ich sehe dahinten unsere Paddel treiben. Könnt ihr sie für uns holen?“

„Natürlich!“, sagte Uraraka.

Es dauerte weitere zehn Minuten, bis sie ihre Paddel geborgen hatten. Uraraka und Bakugo fuhren weiter, und schließlich paddelten Shouta und Kaminari wieder hinter den anderen her. Zum Glück kehrte die Biene nicht mehr zurück.

Shouta und Kaminari zitterten beide unkontrolliert, und es wurde schwieriger, die Paddel zu bewegen. Jedoch war das Boot ohne ihre Ausrüstung auffällig leichter, also kamen sie schneller voran. Trotzdem fühlte es sich an, als wäre eine Ewigkeit vergangen, bevor sie endlich die Insel erreichten.

Zitternd und keuchend kletterten sie aus dem niedrigen Wasser und schoben ihr Kanu bis zum Strand. Jede Windböe schnitt wie Eis und Shouta bemerkte, wie sich Kaminaris Lippen allmählich leicht bläulich färbten. Am Strand entlang lagen die Kanus der anderen, und die Schüler waren fleißig dabei, die Ausrüstung zu entladen und über einen Pfad in den Wald zu schleppen.

„Oh nein, schau dich an“, sagte Nemuri, die sich Kaminari mit einem trockenen Handtuch auf ihrer Schulter näherte. „Hier, werden wir erstmal die Rettungsweste los und wärmen dich auf.“

Kaminari kämpfte mit dem Reißverschluss, aber seine kalten Finger waren unbeholfen und schwach. Nemuri schlug seine Hände weg, öffnete den Reißverschluss für ihn, zog die Weste von seinen Armen und tat sie beiseite. Sie warf das Handtuch über seine Schultern und führte ihn vom Strand weg.

Als Shouta mit seiner eigenen Rettungsweste kämpfte, näherte sich Toshinori ebenfalls mit einem Handtuch in der Hand.

„Was ist passiert?“, fragte der Blonde.

„Eine Biene“, sagte Shouta mit einem miesen Blick.

„Ohhh…“, sagte Toshinori mit tiefer Stimme und blickte zu Kaminari, der mit schief hängenden Schultern hinter Nemuri den Waldweg entlangging. „Ich verstehe…“

Shouta widmete sich wieder dem Reißverschluss, doch seine Finger waren taub und er rutschte immer wieder ab.

„Hier, lass mich mal“, sagte Toshinori und kümmerte sich um den Reißverschluss. Shoutas Magen machte einen Purzelbaum, als er Toshinoris Blick auswich. Der Blonde schob die Weste nach hinten und von Shoutas Schultern runter, wobei seine Finger Shoutas zitternden Arme streiften.

Shouta schluckte, als ihm sein Herz in der Brust pochte.

Das war vielleicht das Schlimmste.

„So, da haben wir’s“, sagte Toshinori. Shouta schaute lang genug hoch, um den Blonden bei einem warmen, mitfühlenden Lächeln zu erwischen, und er wäre wahrscheinlich ehrlich errötet, wenn er nicht im frühen Stadium der Unterkühlung gewesen wäre. Verlegen schnappte er sich das Handtuch aus Toshinoris Händen und wickelte sich darin ein.

„Danke“, schaffte Shouta zu sagen, bevor er zum Weg stampfte.

„Immer wieder gerne!“, sagte Toshinori. Shouta spürte den Blick des Blonden in seinem Rücken, und sein Magen schlug einen zweiten Purzelbaum. Er nahm einen tiefen, erschaudernden Atemzug, und weigerte sich stur, zurückzublicken, während er den Pfad nach oben beschritt.

Es handelte sich um einen engen Pfad, der links und rechts von nackten Bäumen und großen, schroffen Felsbrocken flankiert war. Die Luft lag etwas stiller hier, was ihn erleichterte. Der Weg führte zu einer steilen Felswand, und drehte dann ab in noch mehr Wald. Schließlich gipfelte er in eine große, flache Lichtung, die von noch mehr Bäumen und zerklüften Steinhaufen umgeben war. Der Boden setzte sich überwiegend aus Schmutz und Blättern zusammen, zwischen denen vereinzelt ein paar Gräser und Unkraut hervorlugten. In der Mitte der Lichtung befand sich eine flache Grube, um die sich ein Ring aus großen Steinen scherte. Darin ließ sich ein Rest von Asche und Ruß erkennen, der vom Überlebenskurs letzten Jahres übriggeblieben war.

„Okay, wir sollten ganz schnell ein Feuer ankriegen“, sagte Hizashi. „Iida, benutz deine Triebwerke, um den Schutt wegzuräumen, damit wir hier keinen Waldbrand auslösen. Alle anderen, geht Feuerholz sammeln. Für gewöhnlich würden wir euch beibringen, wie man ein Feuer ohne Hilfsmittel entzündet, aber da unsere zwei Buddies hier völlig durchnässt sind, denke ich, sollten wir Todoroki die Ehre überlassen, und die Feuer-Lektion auf Morgen verschieben.“

Als sich die Schüler ihren Aufgaben widmeten, gesellte Hizashi sich mit einem schiefen Lächeln zu Shouta.  „Und ich dachte wirklich, ich wäre derjenige, der sein Boot zum Entern brächte.“

„Nicht unwahrscheinlich, Schuld war eine Biene.“

„Irks.“ Hizashi zog eine Grimasse. „Armer Kaminari.“

Eine Brise wehte an ihnen vorbei und trug den Geruch von süß-säuerlichen Chemikalien.

„Gott, hast du in Insektenspray gebadet?“, zischte Shouta und rümpfte die Nase.

„Hey, es lohnt sich, vorsichtig zu sein“, sagte Hizashi und verschränkte wie zur Verteidigung die Arme vor die Brust. „Außerdem ist das gerade nicht wichtig. Wir müssen dich aus diesen nassen Kleidern kriegen.“ Er blickte über seine Schulter hinweg zu Kaminari, der auf einem Felsen saß und elend aussah, so wie er im Handtuch eingewickelt war. „Hat das Kiddo sein ganzes Zeug verloren?“

„Ich denke nicht. Er hatte eine kleine Tasche, die überwiegend mit Snacks gefüllt war. Ich glaube, seine Kleidung und Sachen sind in Kirishimas Kanu.“

„Was habt ihr sonst noch? Was haben wir verloren?“ 

„Mein Gepäck war drin. Und mein Schlafsack“, sagte Shouta. „Ich glaube auch einer der Camping-Kocher und das Radio.“ Seine Miene verfinsterte sich bei den Worten. „Ansonsten weiß ich auch nicht.“

„Irgendwelche Lebensmittel?“

„Nein.“

„Das ist zumindest gut.“ Hizashi seufzte und klopfte Shouta fest auf die Schulter. „Na ja! Dann musst du dir halt was von meinen Sachen borgen, schätze ich.“

„Großartig“, sagte Shouta. Es gelang ihm nicht, den Hauch Sarkasmus aus seiner Stimme zu bannen.

„Ach, komm schon, das oder du bleibst nass“, sagte Hizashi, als er zu ihrer Sammlung an Rucksäcken und Reisetaschen ging.

„Dein Kleidungsstil ist nicht gerade bequem“, grummelte Shouta.

„Wer schön sein will, muss auch ein bisschen leiden können, mein Freund.“ Hizashi beugte sich runter und durchfühlte seine eigene Tasche.

„Bitte verschon mich mit den Altweiberweisheiten“, sagte Shouta, als sich Nemuri zu ihnen gesellte.

„Was davon gehört Kaminari?“, fragte sie. „Er sagte, er hätte seine Sachen nicht verloren.“

Shouta zeigte auf ein schwarzes Gepäckstück mit einem Blitz auf der Rückseite. „Das da.“

„Fantastisch, danke, Schätzchen“, summte Nemuri, als sie das Gepäckstück aufhob und verschwand.

„Hier“, sagte Hizashi und hielt ihm einen Stapel Kleider hin. „Geh hinter einen Felsen oder so. Ich stehe Wache.“

Shouta verschwand kommentarlos in den Wald und hinter einem hohen Felsbrocken, wo er durch ein paar dicht wachsende Bäume und dickes Gestrüpp geschützt war. Dort warf er seinen Fangschal und seine Stiefel ab, bevor er das nasse Sweatshirt, die Jeans und die Unterwäsche von sich abstreifte. Trotz der kalten Luft fühlte es sich ohne die nasse Kleidung wärmer an, aber Shouta zitterte noch immer, und seine Haut war schneeweiß.

Während er leise Flüche vor sich hinmurmelte, zog er Hizashis Kleidung an: Eine gebleichte, hautenge Jeans, ein schwarzes T-Shirt, auf dem AC/DC in dicken, schwarzen Buchstaben stand, und ein rot-schwarz-kariertes Flanellhemd. Shouta kämpfte kurz mit den Hemdknöpfen, aber sah schnell ein, dass seine Finger zu taub und zu schwach waren, also ließ er das Hemd offen. Er bemühte sich die verbleibende Feuchtigkeit aus seinen Haaren zu wringen, aber das Handtuch war bereits so nass, dass es keinen Zweck hatte. Seufzend sammelte er seine nasse Kleidung, den Fangschal und seine durchnässten Stiefel auf, bevor er sich behutsam mit seinen nackten Füßen einen Weg über den scharfen, steinigen Boden bahnte und zur Lichtung zurückkehrte.

Shouta wählte zwei nah beieinanderstehenden Bäume, um seinen Fangschal zwischen ihnen zu spannen und als provisorische Wäscheleine für seine tropfende Kleidung zu benutzen. Nemuri kam mit Kaminaris nassen Sachen im Arm zu ihm und warf sie ebenfalls über die Leine, wobei sie Shouta einen Seitenblick zuwarf.

„Ich hab schlechte Nachrichten, Schatz“, sagte sie.

Shouta seufzte. „Was jetzt?“

„Einer der Zelte fehlte. Ich glaube, es war auf eurem Boot.“

„Lass mich raten. Es ist mein Zelt.“

„Ich fürchte ja.“

Shouta seufzte erneut. „Okay“, sagte er erschlagen und stellte seine Stiefel beiseite.

Mittlerweile hatten die Schüler bereits genug Feuerholz gesammelt, und Todoroki hatte mühelos einen ausreichend großes Feuer entzündet. Shouta ließ Nemuri stehen und ging, immer noch zitternd, zum Feuer rüber. Er setzte sich auf einem großen Felsen neben Kaminari, der ebenfalls in trockene Kleidung gewechselt war, und sich an den offenen Flammen aufwärmte. Die Schüler warfen Seitenblicke zu Shouta, dessen Wangen sich leicht rosa färbten, als er ins Feuer starrte.

„Es tut mir leid, Herr Aizawa“, sagte Kaminari schließlich.

„Mach dir keine Gedanken“, sagte Shouta.

„Nächstes Mal werde ich nicht in Panik verfallen, versprochen.“

„Versprich es nicht mir.“ Shouta warf ihm einen scharfen Blick zu. „Versprich es dir selbst. Wenn du als Held überleben willst, musst du einen kühlen Kopf bewahren. Das heute war eine gute Lektion. Es hat klar gezeigt, wie schlimm die Dinge außer Kontrolle geraten können, wenn man unter Druck nicht die Ruhe bewahrt.“

Kaminari nickte und starrte in die Flammen.

„Hier, bitte“, sagte eine Stimme hinter ihnen. Shouta blickte hoch zu Toshinori, der in dem Moment eine Wolldecke über Kaminaris Schultern warf. „Und für dich auch“, sagte der Blonde und lächelte, als er eine zweite Decke über Shouta warf.

Ihre Blicke blieben kurz aneinanderhängen, bevor sich eine feine Röte wie Staub auf Toshinoris Wangen legte und er den Blick zu Boden richtete, während er sich nervös durch den Nacken fuhr.

Shouta spürte, wie seine eigenen Wangen sich ebenfalls dunkel färbten. Er vergrub sich mehr in die Decke und drehte sich zum Feuer hin.

„Danke“, schaffte er zu sagen. Sein Mund war trocken, und er schluckte heftig, während er die Zunge bewegte, um wieder Spucke in den Mund zu kriegen.

„Danke, All Might“, sagte Kaminari.

„Ich hab etwas Wasser mit dem Kocher erhitzt, ich mache euch etwas Tee.“

Shouta konnte hören, wie Toshinoris Schritte sich mit einem sanften Knirschen zurückzogen. Die Anspannung in seiner Brust ließ nach, aber sein Herz pochte noch immer und das Blut rauschte in sein Gesicht.

„Herr Aizawa, ist alles okay?“, sagte Kaminari. „Sie sind ganz rot im Gesicht.“

„Bloß die Hitze des Feuers“, sagte Shouta hastig, zog die Decke bis zu seinen Wangen und starrte weiter starr in die Flammen.